Radioaktive Abfälle - Tiefenlager
Die Nagra – Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle
Als das erste Schweizer Kernkraftwerk im Jahre 1969 seinen Betrieb aufnahm, ging man davon aus, die hochradioaktiven Abfälle könnten im Ausland entsorgt werden. Doch welches Land auf der Welt mag wohl bereit sein, den Atommüll von andern zu importieren?
1972 wurde von den Betreibern der Kernkraftwerke (KKW) und dem Bund die Nagra, die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle, gegründet. Und im Jahre 1979 wurde beschlossen, die Bewilligung von neuen Kernkraftwerken an die sichere Endlagerung des radioaktiven Abfalls im eigenen Land zu knüpfen. Denn wer Ja zur Kernenergie sagt und nicht über radioaktive Strahlung hinwegsieht, der muss auch Ja zur Endlagerung des Atommülls im eigenen Land sagen.
So kümmert sich die Nagra also um die sichere Entsorgung von radioaktiven Abfällen in der Schweiz und ist für die damit verbundenen Projektierungsarbeiten verantwortlich. Einerseits führt und verwaltet die Nagra hierfür das gesamte Inventar der radioaktiven Abfälle, welche unter anderem im Atomkraftwerk anfallen, andererseits ist sie für Forschungsarbeiten im Bereich Entsorgung zuständig. Die Nagra hat seit 1972 zusammen mit zahlreichen in- und ausländischen Experten und Institutionen geforscht. So hat die Nagra bereits im Jahre 1988 wissenschaftlich belegt, dass in der Schweiz ein Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle technisch umsetzbar ist. Im Jahre 2006 hat die Nagra weiter aufgezeigt, dass auch hochradioaktive Abfälle in der Schweiz sicher gelagert werden können. In den kommenden Jahren wird nun geklärt, wo radioaktive Abfälle sicher entsorgt werden können. Heute greift die Nagra auf über 30 Jahre wertvolle Erfahrung im Bereich Entsorgung radioaktiver Abfälle zurück und wirkt im Rahmen der nationalen Entsorgungsprogramme diverser anderer Länder als Beraterin.
Nachdem der Bundesrat im April dieses Jahres den Konzeptteil des Sachplans geologische Tiefenlager verabschiedet hat, sind nun die Weichen für die Suche nach geeigneten Tiefenlagern für radioaktive Abfälle gelegt. Hierfür hat die Nagra das Gestein in verschiedenen Regionen des Landes sorgfältig analysiert und sechs mögliche Standortgebiete vorgeschlagen. An der Medienkonferenz des Bundesamtes für Energie wurden im November 2008 mögliche Standortgebiete für die Tiefenlagerung von radioaktiven Abfällen in der Schweiz vorgestellt. Für die Lagerung der hochaktiven Abfälle werden die Gebiete Zürcher Weinland, Nördlich Lägeren und Jura Ost in Betracht gezogen. Die schwach- und mittelaktiven Abfälle könnten ebenfalls in diesen drei Gebieten sowie in den Regionen Südranden, Jura-Südfuss oder Wellenberg deponiert werden. Diese erste Auswahl wird den technischen Anforderungen gerecht und trägt dem Sicherheitsaspekt Rechnung.
Fest steht, dass kein Kanton den radioaktiven Abfall freiwillig endlagern will. Zürich, Aargau, Solothurn, Schaffhausen und Ob- und Nidwalden sowie die Bevölkerung aller Regionen wehren sich gegen die Vorschläge. So hat die Nagra nicht nur eine ausschliesslich technisch-wissenschaftliche Aufgabe, sondern muss sich auch intensiv der Aufklärungs- und Informationsarbeit widmen.
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